Vor 8o Jahren: Deportation Münchner Jüdinnen und Juden in die Vernichtung

In den frühen Morgenstunden des 20. November 1941 verschleppte die Gestapo knapp 1.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer vom Güterbahnhof Milbertshofen nach Kaunas in Litauen. Nur wenige Tage nach ihrer Ankunft wurden sie dort am 25. November von der SS und ihren Helfershelfern ermordet. Mit verschiedenen Veranstaltungen erinnern das Kulturreferat und das Stadtarchiv der Stadt München zusammen mit PartnerInnen an das damalige Geschehen.

Programm siehe

Große Ehrung für Ernst Grube, Holocaust-Überlebender und langjähriges VVN-BdA-Mitglied

2. November 2021

Verleihung in einem Festakt im NS-Dokumentationszentrum München am 25. Oktober 2021

Die von der Münchner Ehrenbürgerin und Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ins Leben gerufene Stiftung „Münchner Bürgerpreis für Demokratie – gegen Vergessen“ verlieh dieses Jahr dem Kunstfestival „Ausarten – Perspektivwechsel durch Kunst: Jüdisch-Muslimischer Dialog“ den Preis für sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement. Den Ehrenpreis erhielt Ernst Grube für sein jahrzehntelanges Wirken um die Erinnerung an die Nazizeit und für seine heutige Aktivität zugunsten der Verwirklichung der Menschenrechte.

Foto: F.M.

In der Laudatio auf Ernst Grube skizzierte die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums Mirjam Zadoff den Lebensweg des 1932 geborenen Münchners, der als jüdisches Kind Ausgrenzung und schließlich Deportation in das KZ Theresienstadt erleben musste. Dabei ging sie auch auf die spätere Ausgrenzung Grubes als Kommunist in den Zeiten des Kalten Krieges ein sowie auf die Diffamierung, die Ernst Grube bis in die jüngste Zeit als Mitglied der VVN-BdA durch den Bayerischen Verfassungsschutz erdulden musste. Im zweiten Teil der Laudation berichtete der wissenschaftliche Mitarbeiter des Dokuzentrums, Thomas Rink, von der unermüdlichen Tätigkeit Grubes als vielgefragter Gesprächspartner von Schulklassen. Grubes Erzählen von seiner Kindheit in München und vom heutigen Engagement beispielsweise für Geflüchtete sei nie belehrend, weshalb die Resonanz bei den Jugendlichen auch besonders groß ist.

In seiner Dankesrede verwies Ernst Grube auf das jahrzehntelange Bemühen der Überlebenden der NS-Verfolgung für eine Welt ohne Krieg, Rassismus und Ausgrenzung. Großes Anliegen war beispielsweise die Sicherung der Internationalen Jugendbegegnung in Dachau, das den Austausch mit Jugendlichen verschiedener Länder ermöglichte.

Laudatio von Mirjam Zadoff und Thomas Rink siehe

Dankesrede Ernst Grubes siehe

Gedenkveranstaltungen zum 83. Jahrestag der Pogromnacht

2. November 2021

Sonntag, 7. November 2021, 13 Uhr

Gedenken der DBG- Jugend in Dachau

Es spricht Ronen Steinke, Journalist der Süddeutschen Zeitung

Anmeldung ist notwendig.

https://bayern-jugend.dgb.de/jahresprogramm/veranstaltungen/gedenken-dachau

Sonntag, 7. November 2021, 11 Uhr 

Gedenkveranstaltung am ehem. KZ-Lager Allach

KZ-Baracke in der Wohnsiedlung Ludwigsfeld, Granatstraße 10, München

Dienstag 9. November, 13 bis 17.30 Uhr

Namenslesung am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge, Ecke Herzog-Max/Maxburg-Straße

19 Uhr Gedenkstunde im Alten Rathaus am Marienplatz.

Anmeldung ist notwendig; es gibt einen Livestream

https://www.ikg-m.de/kategorie/veranstaltungen/arbeitsgruppe-gedenken-an-den-9-november-1938-veranstaltungen/

Donnerstag 11. November 2021, 19 Uhr

Kulturzentrum Trafo Neuhausen, Nymphenburgerstr. 171a, Veranstaltung zur Umbenennung der Hilblestraße in Maria-Luiko-Straße. (Maria Luiko war eine Münchner Künstlerin, in Kaunas ermordet wurde. Friedrich Hilble war in der NS-Zeit Münchner Stadtrat und Leiter des Wohlfahrtsamtes. Er wirkte mit bei der Vernichtung der ihm anvertrauten Menschen.)

Information hier: https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/muenchen-neuhausen-umbenennung-in-maria-luiko-strasse-gefordert-femaleheritage/

Kundgebung: 10 Jahre Aufdeckung des NSU und noch keine Aufklärung

Aus dem Aufruf von DIDF und DIDF-Jugend, den Veranstaltern der Kundgebung:

„Am 04.November jährt sich die Enttarnung des NSU zum 10.Mal. Die schrecklichen Morde des NSU-Komplexes, das sich über Jahrzehnte hinweg im Untergrund aufbauen und Mittel besorgen konnte, um Bombenanschläge auszuführen, Banken zu überfallen und gezielt Migrant*innen zu ermorden, wurden zwar bekannt – doch von einer lückenlosen Aufklärung fehlt auch nach zehn Jahren jede Spur.“

Mit einer Kundgebung und anschließender Demonstration bekräftigen die VeranstalterInnen ihre Forderung nach lückenloser Aufklärung des rechtsextremistischen Netzwerks. Flugblatt siehe

Gedenken der VVN-BdA an die Opfer des Naziregimes im Friedhof am Perlacher Forst, Montag, 1. November 2021

Auch in diesem Jahr wollen wird wieder am 1. November der im Münchner Friedhof am Perlacher Forst in einem „Ehrenhain“ beigesetzten über 4000 Opfer des Naziregimes gedenken, die im KZ Dachau und anderen Lagern ihr Leben lassen mussten.

Wir gedenken im Rahmen dieser Feier auch des Widerstands der „Weißen Rose“ (die Geschwister Scholl und einige ihrer Mitstreiter/innen sind auf diesem Friedhof beigesetzt) und weiterer wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, aus rassistischen Gründen oder ihres antifaschistischen Widerstandes wegen verfolgter Gruppen und Personen. Dazu gehören auch die in der benachbarten Justizvollzugsanstalt Stadelheim während der NS-Zeit inhaftierten Menschen, die dort zu Tode kamen oder hingerichtet wurden.

In das Gedenken eingeschlossen sind außerdem die Opfer unter den Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern, die in Lagern der Umgebung dem Terror der Nazis ausgesetzt waren.

Ernst Antoni hält eine kurze Ansprache

Treffpunkt: 11.00 Uhr am Friedhofseingang – schräg gegenüber der Straßenbahn-Endhaltestelle Schwanseestraße (Tramlinie 28).

Wir bitten während unserer Gedenkstunde den Mindestabstand von 1,5m einzuhalten.

Bitte den Mundschutz mitbringen. Je nach aktueller Situation kann dieser notwendig sein.

Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“

23. August 2021

Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum München

Noch bis Ende November 2021 ist im NS-Dokumentationszentrum die Sonderausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft“ zu sehen, die in Kooperation mit dem jüdischen Museum Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entstand.

Die Ausstellung beginnt mit exemplarischen Berichten einzelner Zeitzeug*innen. Hierbei berichtet u.a. unser VVN-BdA-Mitglied Ernst Grube über seine Zeit im sog. „Judenlager“ Milbertshofen und seine Deportation nach Theresienstadt; auch die verstorbenen VVN’ler Martin Löwenberg oder der Sinto Hugo Höllenreiner kommen neben Gerty Spies, Max Mannheimer, Charlotte Knobloch u.a. zu Wort. Danach wird jedem Jahrzehnt nach 1945 ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet, um den unterschiedlichen Umgang mit der Zeitzeugenschaft zu erläutern. Zu Beginn waren es vor allem Medienberichte aus den USA, die Zeitzeug*innenberichte an die Öffentlichkeit brachten.
Während in der DDR bereits früh Erinnerungsarbeit geleistet wurde, ließ dies in der BRD noch auf sich warten. Erst ab den 1970er Jahren begannen dann auch verstärkt Zeitzeug*innenerzählungen aus der BRD.
Beeindruckende Zeitzeug*innenberichte bleiben weiterhin schriftlich festgehaltene Manifeste wie das Tagebuch der Anne Frank. Auch neben dem wichtiger werdenden Medium Film bleiben Druckerzeugnisse wie dieses Tagebuch ein eindrucksvolles Werk, das zeitlebens den Terror der Nazi-Diktatur widerspiegelt.

Durch Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ aus dem Jahr 1993 gewann die Aufarbeitung des Holocausts eine neue mediale Dimension. Im Gefolge dieses Films wurden viele Interviews mit Zeitzeug*innen organisiert und ihre Geschichte medial festgehalten.
Auch Zeitzeug*innenberichte von NS-Tätern werden in der Ausstellung aufgenommen. Exemplarisch ist hier das Buch „Ich glaubte an Hitler“ von Baldur von Schirach zu nennen. Er beschreibt sich darin als einen Idealisten, der systematisch einer Irrlehre verfallen ist.
Am Ende der Ausstellung gibt es noch eine besondere Aufbereitung. Mit einer Virtual-Reality-Brille erhalten die Besucher*innen einen „realen Einblick“ in die Erinnerungswelt von Zeitzeug*innen. So kann ein Zeitzeugengespräch eines Jugendlichen mit Ernst Grube ‚live‘ verfolgt werden.

Es bleibt festzuhalten, dass es die Aufgabe der kommenden Generationen ist, das Anliegen der Zeitzeug*innen zu bewahren. Die Ausstellung mahnt die Menschen dazu, weiterhin gegen das Vergessen zu kämpfen und die Botschaft der Zeitzeug*innen, die bald nicht mehr live berichten können, weiterzutragen.

Johannes Riedlberger

Luftbrücke jetzt: Gefährdete aus Afghanistan sofort aufnehmen!

17. August 2021

Forderungen einer Kundgebung in München am 16. August

Nach einem Demonstrationszug und einer Abschlusskundgebung vor der Bayerischen Staatskanzlei forderten Hunderte TeilnehmerInnen am Montag, 16. August, darunter viele Menschen, die aus Afghanistan geflohen sind, sofortiges Handeln. Nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban sind Ortskräfte, welche die Bundeswehr und die zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen unterstützt haben, besonders gefährdet; aber auch Frauenrechtlerinnen, MenschenrechtsaktivistInnen und JournalistInnen sowie deren Familien sind größter Gefahr ausgesetzt. Für sie müsse sofort ein gesicherter Lufttransport nach Deutschland gewährleistet werden.

Von der Bayerischen Regierung wurde ein sofortiges Aufnahmeprogramm für afghanische Schutzsuchende gefordert. Außerdem müssen für die bereits in Deutschland lebenden Geflüchteten ein sicheres Bleiberecht geschaffen und Arbeitsverbote aufgehoben werden.

Kundgebung von „München ist bunt“: Gegen jeden Judenhass – gemeinsam für jüdisches Leben in München!

Aus dem Aufruf:

Überall in Deutschland haben judenfeindliche Aggressionen zugenommen. Beleidigungen, Bedrohungen und ja sogar Gewalt gegen jüdische Menschen und Einrichtungen sind fast schon alltäglich. Rechtsextremisten verüben Anschläge wie in Halle, und „Corona-Leugner“ spielen sich einander alte antisemitische Stereotype zu und verharmlosen den Holocaust.

Zuletzt haben die Demonstrationen im Zuge der Auseinandersetzungen im Nahen Osten eine weitere Welle des Judenhasses losgetreten. Sprechchöre wie „Scheiß Juden“ erschallten auf deutschen Straßen, Steine flogen auf jüdische Orte des Gebets. An der Synagoge in Ulm zeugen noch frische Brandspuren von einem Hass, der wieder und wieder hervorbricht.

Angst und Unsicherheit bestimmen längst das jüdische Leben heute in vielen Städten in Deutschland. Der kleinste politische Anlass kann genügen und jüdische Menschen müssen sich wieder fragen: Sind wir die Nächsten?

Diesen Zustand können und wollen wir in München nicht dulden. Wir, die Münchner Zivilgesellschaft, senden ein klares Zeichen, dass Jüd*innen in dieser schweren Zeit nicht allein steht. Wir rufen alle Münchnerinnen und Münchner auf, mit einer starken Stimme Nein zum Judenhass zu sagen!

Es sprechen Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern,
Oberbürgermeister Dieter Reiter,
Ben Salomo
, Rapper und Aktivist gegen Judenhass,
Christian Springer, Münchner Künstler

Ungeachtet der verheerenden Sicherheitslage und der massiven Ausbreitung des Covid19
Virus schiebt Deutschland weiter monatlich nach Afghanistan ab. In das unsicherste Land der
Welt. Immer und immer wieder.
Menschen werden fremdbestimmt außer Landes geschafft, in ein Land, das viele nur aus ihrer
Kindheit kennen oder noch nie gesehen haben. Ein Land, in dem viele der Abgeschobenen
keine Netzwerke oder Strukturen haben, die sie vor Obdach- und kompletter Mittellosigkeit
bewahren. Die Situation in Afghanistan ist durch die Pandemie, wie auch den Krieg für jeden
Menschen akut lebensbedrohlich! Deutschland hat nicht erst durch die seit 2001 stattfindende militärische Beteiligung der
Bundeswehr am Krieg in Afghanistan eine besondere Verantwortung für die vor diesem Krieg
flüchtenden Menschen.

Wir lassen nicht zu, dass sich die Öffentlichkeit an Abschiebungen nach Afghanistan gewöhnt.
Unsere Forderung bleibt bestehen: Keine Abschiebungen nach Afghanistan! 

Siehe auch: karawane-muenchen.org/2021/05/27/aufruf-zur-demo-afghanistan

VVN-BdA Bundesorganisation wieder gemeinnützig

29. April 2021

Eine schöne Nachricht: Unsere Bundesorganisation ist wieder vollständig gemeinnützig. Für die Berliner Finanzbehörde gilt die Einschätzung des Bayerischen Verfassungsschutzes, wonach wir „extremistisch“ seien, als ausreichend widerlegt.
Wirklich ein toller Erfolg auch der breiten Solidarität, die wir erfahren haben, von vielen Initiativen, Parteien, Gewerkschaften, Einzelpersönlichkeiten und nicht zuletzt von Überlebenden des Naziterrors wie Esther Bejarano oder Ernst Grube. Nun hoffen wir, dass auch die Diffamierung der bayerischen VVN-BdA durch „unseren“ Verfassungsschutz endlich mal beendet werden kann.
Weitere Infos siehe

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten