Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“

23. August 2021

Sonderausstellung im NS-Dokumentationszentrum München

Noch bis Ende November 2021 ist im NS-Dokumentationszentrum die Sonderausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft“ zu sehen, die in Kooperation mit dem jüdischen Museum Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entstand.

Die Ausstellung beginnt mit exemplarischen Berichten einzelner Zeitzeug*innen. Hierbei berichtet u.a. unser VVN-BdA-Mitglied Ernst Grube über seine Zeit im sog. „Judenlager“ Milbertshofen und seine Deportation nach Theresienstadt; auch die verstorbenen VVN’ler Martin Löwenberg oder der Sinto Hugo Höllenreiner kommen neben Gerty Spies, Max Mannheimer, Charlotte Knobloch u.a. zu Wort. Danach wird jedem Jahrzehnt nach 1945 ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet, um den unterschiedlichen Umgang mit der Zeitzeugenschaft zu erläutern. Zu Beginn waren es vor allem Medienberichte aus den USA, die Zeitzeug*innenberichte an die Öffentlichkeit brachten.
Während in der DDR bereits früh Erinnerungsarbeit geleistet wurde, ließ dies in der BRD noch auf sich warten. Erst ab den 1970er Jahren begannen dann auch verstärkt Zeitzeug*innenerzählungen aus der BRD.
Beeindruckende Zeitzeug*innenberichte bleiben weiterhin schriftlich festgehaltene Manifeste wie das Tagebuch der Anne Frank. Auch neben dem wichtiger werdenden Medium Film bleiben Druckerzeugnisse wie dieses Tagebuch ein eindrucksvolles Werk, das zeitlebens den Terror der Nazi-Diktatur widerspiegelt.

Durch Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ aus dem Jahr 1993 gewann die Aufarbeitung des Holocausts eine neue mediale Dimension. Im Gefolge dieses Films wurden viele Interviews mit Zeitzeug*innen organisiert und ihre Geschichte medial festgehalten.
Auch Zeitzeug*innenberichte von NS-Tätern werden in der Ausstellung aufgenommen. Exemplarisch ist hier das Buch „Ich glaubte an Hitler“ von Baldur von Schirach zu nennen. Er beschreibt sich darin als einen Idealisten, der systematisch einer Irrlehre verfallen ist.
Am Ende der Ausstellung gibt es noch eine besondere Aufbereitung. Mit einer Virtual-Reality-Brille erhalten die Besucher*innen einen „realen Einblick“ in die Erinnerungswelt von Zeitzeug*innen. So kann ein Zeitzeugengespräch eines Jugendlichen mit Ernst Grube ‚live‘ verfolgt werden.

Es bleibt festzuhalten, dass es die Aufgabe der kommenden Generationen ist, das Anliegen der Zeitzeug*innen zu bewahren. Die Ausstellung mahnt die Menschen dazu, weiterhin gegen das Vergessen zu kämpfen und die Botschaft der Zeitzeug*innen, die bald nicht mehr live berichten können, weiterzutragen.

Johannes Riedlberger

Luftbrücke jetzt: Gefährdete aus Afghanistan sofort aufnehmen!

17. August 2021

Forderungen einer Kundgebung in München am 16. August

Nach einem Demonstrationszug und einer Abschlusskundgebung vor der Bayerischen Staatskanzlei forderten Hunderte TeilnehmerInnen am Montag, 16. August, darunter viele Menschen, die aus Afghanistan geflohen sind, sofortiges Handeln. Nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban sind Ortskräfte, welche die Bundeswehr und die zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen unterstützt haben, besonders gefährdet; aber auch Frauenrechtlerinnen, MenschenrechtsaktivistInnen und JournalistInnen sowie deren Familien sind größter Gefahr ausgesetzt. Für sie müsse sofort ein gesicherter Lufttransport nach Deutschland gewährleistet werden.

Von der Bayerischen Regierung wurde ein sofortiges Aufnahmeprogramm für afghanische Schutzsuchende gefordert. Außerdem müssen für die bereits in Deutschland lebenden Geflüchteten ein sicheres Bleiberecht geschaffen und Arbeitsverbote aufgehoben werden.

Kundgebung von „München ist bunt“: Gegen jeden Judenhass – gemeinsam für jüdisches Leben in München!

Aus dem Aufruf:

Überall in Deutschland haben judenfeindliche Aggressionen zugenommen. Beleidigungen, Bedrohungen und ja sogar Gewalt gegen jüdische Menschen und Einrichtungen sind fast schon alltäglich. Rechtsextremisten verüben Anschläge wie in Halle, und „Corona-Leugner“ spielen sich einander alte antisemitische Stereotype zu und verharmlosen den Holocaust.

Zuletzt haben die Demonstrationen im Zuge der Auseinandersetzungen im Nahen Osten eine weitere Welle des Judenhasses losgetreten. Sprechchöre wie „Scheiß Juden“ erschallten auf deutschen Straßen, Steine flogen auf jüdische Orte des Gebets. An der Synagoge in Ulm zeugen noch frische Brandspuren von einem Hass, der wieder und wieder hervorbricht.

Angst und Unsicherheit bestimmen längst das jüdische Leben heute in vielen Städten in Deutschland. Der kleinste politische Anlass kann genügen und jüdische Menschen müssen sich wieder fragen: Sind wir die Nächsten?

Diesen Zustand können und wollen wir in München nicht dulden. Wir, die Münchner Zivilgesellschaft, senden ein klares Zeichen, dass Jüd*innen in dieser schweren Zeit nicht allein steht. Wir rufen alle Münchnerinnen und Münchner auf, mit einer starken Stimme Nein zum Judenhass zu sagen!

Es sprechen Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern,
Oberbürgermeister Dieter Reiter,
Ben Salomo
, Rapper und Aktivist gegen Judenhass,
Christian Springer, Münchner Künstler

Ungeachtet der verheerenden Sicherheitslage und der massiven Ausbreitung des Covid19
Virus schiebt Deutschland weiter monatlich nach Afghanistan ab. In das unsicherste Land der
Welt. Immer und immer wieder.
Menschen werden fremdbestimmt außer Landes geschafft, in ein Land, das viele nur aus ihrer
Kindheit kennen oder noch nie gesehen haben. Ein Land, in dem viele der Abgeschobenen
keine Netzwerke oder Strukturen haben, die sie vor Obdach- und kompletter Mittellosigkeit
bewahren. Die Situation in Afghanistan ist durch die Pandemie, wie auch den Krieg für jeden
Menschen akut lebensbedrohlich! Deutschland hat nicht erst durch die seit 2001 stattfindende militärische Beteiligung der
Bundeswehr am Krieg in Afghanistan eine besondere Verantwortung für die vor diesem Krieg
flüchtenden Menschen.

Wir lassen nicht zu, dass sich die Öffentlichkeit an Abschiebungen nach Afghanistan gewöhnt.
Unsere Forderung bleibt bestehen: Keine Abschiebungen nach Afghanistan! 

Siehe auch: karawane-muenchen.org/2021/05/27/aufruf-zur-demo-afghanistan

VVN-BdA Bundesorganisation wieder gemeinnützig

29. April 2021

Eine schöne Nachricht: Unsere Bundesorganisation ist wieder vollständig gemeinnützig. Für die Berliner Finanzbehörde gilt die Einschätzung des Bayerischen Verfassungsschutzes, wonach wir „extremistisch“ seien, als ausreichend widerlegt.
Wirklich ein toller Erfolg auch der breiten Solidarität, die wir erfahren haben, von vielen Initiativen, Parteien, Gewerkschaften, Einzelpersönlichkeiten und nicht zuletzt von Überlebenden des Naziterrors wie Esther Bejarano oder Ernst Grube. Nun hoffen wir, dass auch die Diffamierung der bayerischen VVN-BdA durch „unseren“ Verfassungsschutz endlich mal beendet werden kann.
Weitere Infos siehe

76. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau

27. April 2021

Auch im Jahr 2021 kann aufgrund der Corona-Situation keine öffentliche Gedenkveranstaltung durchgeführt werden.

Die nicht-öffentlichen Erinnerungsveranstaltungen können aber im Livestream mitverfolgt werden. Hinweise zum umfangreichen Programm vom 29.4. bis 2.5. sowie zum Livestream unter https://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/liberation

Sonntag, 2. Mai

10.30 Uhr ZENTRALE GEDENKVERANSTALTUNG mit Beiträgen von Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann, Stiftungsdirektor Karl Freller, Staatsministerin Monika Grütters, Kultusminister Michael Piazolo u.a.

13.00 Uhr GEDENKEN AM EHEMALIGEN „SS-SCHIESSPLATZ HEBERTSHAUSEN” Über 4000 sowjetische Kriegsgefangene wurden dort von September 1941 bis Juni 1942 von der SS ermordet. Die Lagergemeinschaft Dachau e.V. erinnert an die Opfer. 80 Jahre nach dem Beginn des Vernichtungskriegs und des Überfalls auf die Sowjetunion spricht dort Ernst Grube, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau; Irina Grinkevich stellt zwei Biographien vor.

Ostermarsch für den Frieden am Samstag, 3. April

Der diesjährige Münchner Ostermarsch findet aufgrund der Corona-Situation nicht am ursprünglichen Ort statt.

Aktuell gültig ist folgendes:

9:30 UhrÖkumenischer Gottesdienst in St. Johannes, Preysingplatz
11:00 UhrAuftaktkundgebung auf dem Geschwister-Scholl-PlatzAlles natürlich entsprechend mit Corona-Regeln
anschließend (11:20h)Demonstration zum Königsplatz
mit Samba Sole Luna
ca. 12:30 UhrAbschlusskundgebungmit Matthias Gastund Thomas LechnerModeration: Beate LippmannMusik: De Ruam und evtl. Beat Protest
dazu Infostände, Programm mit Musik und Ansagen

Aufruf und weitere Infos siehe Ostermarsch München 2021 | Münchner Friedensbündnis (muenchner-friedensbuendnis.de)

Abschiebungen in ein Kriegs- und Krisengebiet wie Afghanistan sofort stoppen

10. März 2021

Auf einer Kundgebung in München am 7. März vor der Bayerischen Staatskanzlei forderte der Kinder- und Jugendarzt Dr. Thomas Nowotny den

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Thomas-Nowotny-658x1024.jpg

sofortigen Stopp der unrechtmäßigen Abschiebungen von Geflüchteten nach Afghanistan. Er sprach als Vertreter der IPPNW (Internationale Vereinigung von ÄrztInnen zur Verhütung des Atomkriegs – ÄrztInnen in sozialer Verantwortung) und schilderte die furchtbare Situation gerade für junge Geflüchtete: „Abschiebungen sind immer gesundheitsschädlich – und oft lebensgefährlich. Ganz besonders gilt das, wenn die Betroffenen schwer krank sind. Auch sie werden abgeschoben, auf Biegen und Brechen, manchmal im wörtlichen Sinn herzzerbrechend!“

Zum Abschluss seiner Rede verlas Thomas Nowotny, selbst Hinterbliebener von Opfern des Naziterrors, einen Brief, den er mit zwanzig anderen NS-Verfolgten und Angehörigen an den Ministerpräsidenten Söder geschrieben hatte. Abschiebungen von Geflüchteten mit hohem Gesundheitsrisiko gerade jetzt in Corona-Zeiten seien mit den Grundsätzen eines Rechtsstaats nicht vereinbar. Darum müssten diese Abschiebungen sofort gestoppt werden. Der Brief schließt mit dem Appell: „Entscheiden Sie sich gerade jetzt für die Menschlichkeit!“

Zum Wortlaut der Rede und des Briefs siehe

Vor 75 Jahren, März 1946 – Große Hoffnungen der Überlebenden des Nazi-Terrors in Bayern

5. März 2021

Der März 1946 war ein wichtiger Monat für all die Menschen, die Gefängnisse, Zuchthäuser und Konzentrationslager der Nazis überlebt hatten:

Im überfüllten Münchner Zirkus Krone hatten sich Verfolgte und Angehörige von Opfern am 10. März zu einer „antifaschistischen Kundgebung“ am „Tag der Opfer des Faschismus“ zusammengefunden. Redner der Parteien SPD, KPD, CSU und der „rassisch Verfolgten“, der Gewerkschaften, Ministerpräsident Högner und der Münchner Oberbürgermeister Scharnagl zeigten sich entschlossen zum Aufbau eines neuen, freien, gerechten und friedlichen Deutschland.

Weiter gab es in diesem Monat

> das lang erwartete „Gesetz gegen Nationalsozialismus und Militarismus“, das sog. „Säuberunggsgesetz“,

> das „Gesetz Nr. 14 – Gegen Rassenwahn und Völkerhaß“,

> die 1. Sitzung des Vorbereitenden Verfassungsausschusses für eine neue Bayerische Verfassung.

Weiterlesen unter

Vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht beschädigen!

1. März 2021

VVN-BdA zur Auseinandersetzung um Leitung der Bildungsarbeit in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Die bayerische VVN-BdA betont in einer Stellungnahme die Wichtigkeit der vertrauensvollen Zusammenarbeit der Beschäftigten in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Diese ist gefährdet, wenn entgegen dem üblichen Ausschreibungsverfahren und gegen die Mehrheit der Beschäftigten und der Leitung der Gedenkstätte die Funktion der Leitung der pädagogischen Abteilung von außen besetzt werden sollte. Weil für diese Stelle bisher keine geeignete Bewerbung eingegangen ist, will Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, seine Büroleiterin, die Politikwissenschftlerin Erika Tesar, mit der Stelle per Versetzung betrauen.

In ihrer Presseerklärung weist die VVN-BdA auf die internationale Bedeutung der Gedenkstätte hin, die wesentlich von Verfolgten aus der Gründergeneration der bayerischen VVN mit aufgebaut worden ist. „Kennzeichnend für das Wirken der Leiterinnen und MitarbeiterInnen der Gedenkstätte waren immer die enge Verbindung zu den ehemaligen Häftlingen, wissenschaftliche Ausrichtung, pädagogische Qualität,
vertrauensvolle Zusammenarbeit und persönliches Engagement.“ Dies darf nicht, so die VVN-BdA, durch Eingriffe von außen beschädigt werden.

Zum Wortlaut der Erklärung siehe

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