Von Naziumtrieben und dem Protest dagegen … Eine Zeitreise durch 70 Jahre Münchner Nachkriegsgeschichte mit der „Reporter-Legende“ Karl Stankiewitz

Das Kriegsende war noch nicht lange vorbei, da brodelte der braune Sumpf auch wieder in München: von der Fluchthilfezentrale für ehemalige Nazi-Größen bis zum „Reichsparteitag“ der „Deutschen Reichspartei“ 1958, von Aktivitäten der Wiking-Jugend über die Propaganda der „Nationalzeitung“ und der Gründung der „Deutschen Volksunion“ 1971 im Münchner Franziskanerbräu bis zum Oktoberfestattentat 1980 und den Neonazis der Gegenwart.

Seit rund 70 Jahren setzt sich Karl Stankiewitz in seinen kritischen Reportagen mit Naziumtrieben auseinander – aber auch mit dem Protest dagegen. Denn München war immer auch ein Ort des Engagements gegen die Braunen von gestern und heute. Darüber berichtet Stankiewitz in der Matinee am 20. Januar und steht für die Diskussion zur Verfügung.
Vor wenigen Monaten konnte Karl Stankiewitz seinen 90. Geburtstag feiern; die Stadt München ehrte ihn mit der Medaille „München leuchtet“

Weitere Infos siehe Flugblatt Stankiewitz-V 20.1.2019

Offener Brief von Angehörigen NS-Verfolgter an Ministerpräsident Söder

22. Dezember 2018

In einem offenen Brief vom 17. Dezember  wenden sich NS-Verfolgte und Nachfahren – initiiert von dem Kinderarzt Dr. Nowotny – an den bayerischen Ministerpräsidenten Söder. Sie fordern ihn auf, die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan einzustellen.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte schreiben sie:

„Eine Lehre aus der deutschen Geschichte muss darin bestehen, rechtzeitig einzuschreiten, wenn staatliches Unrecht droht. Die Abschiebung in Kriegs- und Krisengebiete ist ein solches Unrecht.“

Wortlaut des Briefs und ErstunterzeichnerInnen siehe Offener Brief der Nachfahren NS-Verfolgter an Ministerpräsident Söder

Neue Erinnerungszeichen an Opfer des Nationalsozialismus in München

Im Januar werden Menschen durch Erinnerungszeichen geehrt, die Opfer der NS-Verfolgung wurden:

Gedenken an Opfer der NS-“Euthanasie

Freitag, 18. Januar 2019

Erinnerungszeichen für Theodolinde Diem

10.30 Uhr: Gedenkveranstaltung im Krankenhaus d. Barmherzigen Brüder, Konferenzraum 1, Romanstraße 93

11.45 Uhr: Übergabe der Stele in der Romanstraße 74

Erinnerungszeichen für Irmtraud Burger

13.00 Uhr: Gedenkveranstaltung am Kaiserplatz 10

14.15: Übergabe der Tafel in der Destouchesstraße 14

Erinnerungszeichen für Barbara Hartard

15.00: Gedenkveranstaltung in der Unsöldstraße 13

Außerdem am 18.1.2019:

18 Uhr: Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-“Euthanasie“ im Isar-Amper-Klinikum, Haar, Haus 3

17-24 Uhr: Lichtinstallation am NS-Dokuzentrum, Max-Mannheimer-Platz 1, München

Faltblatt siehe 20190118-Euthanasie-Gedenken

Neue Erinnerungszeichen für politische Gegner des NS

Samstag, 26. Januar 2019

10 Uhr: Übergabe der Erinnerungstafel für Emma und Hans Hutzelmann, Margaretenstraße 18

15 Uhr: Übergabe der Erinnerungstafel für Josef Zott, Geroltstraße 24

16 Uhr: Gedenkveranstaltung im Pfarrsaal St. Rupert, Gollierstraße 61

Sonntag, 27. Januar 2019

Erinnerungszeichen für Silvia und Max Klar

14.00: Gedenkveranstaltung, Adolf-Weber-Gymnasium, Kapschstraße 4

im Anschluss um ca. 15.15 Übergabe der Tafel in der Jutastraße 24

(weitere Infos siehe

https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Stadtarchiv/Erinnerungszeichen/Aktuelles.html)

„Wir wollten aufklären!“ Eine Erinnerung an Marie-Luise Schultze-Jahn aus Anlass ihres 100. Geburtstages

Film und Buchvorstellung
Veranstalter:
Vereingung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der
Antifaschistinnen und Antifaschisten KV München, ver.di
Senioren München, Arbeitskreis Aktiv gegen rechts in ver.di
München, ver.di-Jugend München
Marie-Luise Jahn, die zusammen mit ihrem Freund Hans Leipelt in München Chemie studierte, erhielt 1943 das letzte Flugblatt der Weißen Rose. Beide beschlossen, nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl und Christoph Probsts das Flugblatt zu vervielfältigen
und es weiter zu verbreiten. Sie versahen es mit dem Zusatz: „Und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“.

Weitere Informationen siehe VA -vvn & verdi 22.11.2018

Never Again – Mohnblumen für den Frieden auf dem Königsplatz

Der Künstler Walter Kuhn will mit Mohnblumen aus Seide auf dem Königsplatz an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnern (Näheres siehe www.niemalswieder.com)

Grußwort u.a. von  Ernst Grube, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau


(Zu weiteren Veranstaltungen der Friedenswochen siehe http://www.muenchner-friedensbuendnis.de/FriWo)

Gedenken anlässlich des 80. Jahrestages des Pogroms von 1938

  • Sonntag, 4. November, 13 Uhr, KZ-Gedenkstätte Dachau

    Gedenkfeier der DGB-Jugend zur Pogromnacht

  • Freitag, 9. November, 9-12.30 Uhr, München

    Gedenken an das Novemberpogrom 1938 – Jeder Mensch hat einen Namen

    Öffentliche Namenslesung am Gedenkstein der ehem. Hauptsynagoge, Herzog-Max-Straße

  • 11. November 2018, 11 Uhr, München-Ludwigsfeld

    Lesung mit Biografien von sechs jüdischen Nachbarn aus dem Stadtbezirk 24

    an der ehemaligen KZ‐Baracke in München‐Ludwigsfeld, Granatstr. 10

1. November: Gedenkstunde der VVN-BdA im Friedhof am Perlacher Forst

Auch in diesem Jahr wollen wird wieder am 1. November der im

Friedhof am Perlacher Forst in einem Ehrenhain beigesetzten über

4000 Opfer des Naziregimes gedenken, die im KZ Dachau und

anderen Lagern ihr Leben ließen. Wir gedenken auch des Widerstands

der „Weißen Rose“ und anderer Gruppen und Personen aus dem

antifaschistischen Widerstand und der im benachbarten Gefängnis und

ehemaligen Zuchthaus Stadelheim Ermordeten und der im Umfeld

dieses Ortes geschundenen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen

und Zwangsarbeiter.

Es spricht: Ernst Antoni

Treffpunkt: 11.00 Uhr am Friedhofseingang – gegenüber der

Straßenbahn-Endhaltestelle Schwanseestraße.

 

Geschichte erinnern – Zukunft gestalten

75  Jahre Auschwitz-Gedenken: Veranstaltung zu Geschichte und Kultur der Sinti und Roma

Pressemitteilung: Demonstration „Jetzt gilt’s“ am 03.10.2018 in München

27. September 2018

#noPAG und #ausgehetzt rufen gemeinsam auf
Großdemonstration am 3. Oktober 2018 in München
Jetzt gilt’s
Gemeinsam gegen die Politik der Angst

Angesichts der schockierenden Eskalation von Hass, rechter Hetze und Gewalt haben sich das Bündnis gegen das bayerische Polizeiaufgabengesetz (noPAG) und der Organisator*innenkreis der #ausgehetzt-Demo zusammengefunden um am Mittwoch, den 3. Oktober 2018 um 13 Uhr zur Großdemonstration ‚Jetzt gilt’s‘ am Münchener Odeonsplatz aufzurufen. Die Demonstration soll ein unmissverständliches Zeichen setzen, dass die Bevölkerung weder die Verschärfungen des Polizeirechts noch andere Ausdrücke des gesellschaftlichen Rechtsrucks hinnehmen wird.

„Wir von #ausgehetzt freuen uns gerade angesichts der dramatischen Ereignisse der vergangenen Wochen, uns gemeinsam mit dem noPAG-Bündnis diesen beängstigenden Entwicklungen entgegenzustellen“, sagt Thomas Lechner, Co-Organisator der #ausgehetzt-Demo und neu im Orga-Kreis des noPAG-Bündnisses. „Bezeichnend ist auch, dass es sich bei den elf Menschen, die seit Einführung der ‚Unendlichkeitshaft‘ länger als 14 Tage in Polizeigewahrsam zubringen mussten, ausschließlich um Geflüchtete handelt,“ fährt er fort. „Das zeigt, warum noPAG und ausgehetzt zusammengehören.“ Die großen Proteste gegen das Polizeiaufgabengesetz am 10. Mai und die ausgehetzt-Demo vom 22. Juli, etliche weitere Proteste – zuletzt #Seebrücke, #wirsindmehr aber auch die Demonstrationen gegen AfD-Wahlkampfveranstaltungen in und um München am letzten Wochenende – haben gezeigt, dass ein Großteil der Bevölkerung sich nicht mehr mit der Politik der Angst und des Hasses abfinden wird.

Ziel der Demonstration ist es an diesen Sommer des Widerstands anzuknüpfen und am 03. Oktober abermals unseren Widerstand gegen den Rechtsruck und autoritäre Tendenzen auf die Straße zu tragen. Statt sich dem zynischen Wettbewerb von AfD und CSU anzuschließen, die versuchen sich gegenseitig rechts zu überholen, tritt das Bündnis #noPAG für eine offene und solidarische Gesellschaft ein, in der Menschenrechte unteilbar und vielfältige und selbstbestimmte Lebensentwürfe selbstverständlich sind. Laura Pöhler, Sprecherin des noPAG-Bündnis, erklärt: „Die Verabschiedung des neuen Polizeiaufgabengesetzes durch den bayerischen Landtag ist ein weiterer Schritt in Richtung einer autoritären Gesellschaft. Diesen Verhältnissen und der dramatischen Gefahr von Rechts stellen wir uns entschieden entgegen. Der derzeitige Zustand in Bayern ist unhaltbar.“

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Aufruf und Flugblatt zur Demo siehe Aufruf Demo am 3.10

Protestbrief: Keine Steuergelder für Geschichtsrevisionismus

27. September 2018

Mit einem Brief, verbunden mit einer offenen Petition, wenden sich Vertreterinnen von Überlebendenorganisationen, von Gedenkstätten und zeitgeschichtlicher Einrichtungen gegen eine mögliche Förderung geschichtsrevisionistischer Propaganda durch die Desiderius-Erasmus-Stiftung der AFD.

Der Brief hat folgenden Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bundesminister Seehofer,

mit großer Besorgnis verfolgen wir als Vertreterinnen namhafter bundesdeutscher Einrichtungen der historisch-politischen Bildung, Gedenkstätten und (internationaler) Überlebenden-Organisationen sowie als Wissenschaftlerinnen im Feld NS-Geschichte und Erinnerungskultur die geschichtsrevisionistischen Haltungen und Positionen, die von Personen aus dem Umfeld der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung öffentlich geäußert werden, und möchten Ihr Ministerium zum Handeln auffordern.

Aus fachlicher Sicht ist es dringend geboten, das Programm der Desiderius-Erasmus-Stiftung im Bereich historisch-politische Bildung, Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und Erinnerungskultur einer kritischen Überprüfung durch unabhängige Expertinnen zu unterziehen. Wenn perspektivisch öffentliche Mittel für eine Stiftung ausgegeben werden, deren Vertreterinnen die Verbrechen der Nationalsozialisten verharmlosen und somit ein Geschichtsbild proklamieren, das weder den moralischen noch den wissenschaftlichen Standards genügt, konterkariert dies die langjährigen, erfolgreichen Bemühungen im Feld der Erinnerungspolitik und Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte. Für deren hohe Qualität erfährt die Bundesrepublik Deutschland im In- und Ausland enorme Anerkennung. Werden diese Bemühungen in Frage gestellt, könnte das der Demokratie in unserem Land langfristig massiven Schaden zufügen.

Ein aktueller Vorfall hat uns zu diesem Schreiben bewogen: Am Samstag, den 1. September 2018 verglich Max Otte, Vorsitzender des Kuratoriums der Desiderius-Erasmus-Stiftung, auf Twitter die „Vorfälle von Chemnitz“ mit dem Reichstagsbrand vom Februar 1933:

> Werden die medial völlig verzerrt dargestellten Vorfälle von #Chemnitz zum neuen #Reichstagsbrand zum Auftakt der offiziellen Verfolgung politisch Andersdenkender? #Meinungsterror #Afd #Freiheit #Demokratie <

Mit dieser rhetorischen Frage setzt Herr Otte Rechtsradikale und Neo-Nazis, die in den vergangenen Tagen in Chemnitz People of Colour, Migrantinnen und Journalistinnen gewaltsam angegriffen und bedroht haben, mit den Verfolgten des Nationalsozialismus gleich. Dabei handelt es sich um einen doppelten Fall von Täter-Opfer-Umkehr und um eine Relativierung der Verbrechen der Nationalsozialisten. Darüber hinaus bedient der Tweet das antisemitische Ressentiment von den angeblich gesteuerten, die Wahrheit verzerrenden Medien. Im Falle eines erneuten Einzugs der AfD in den Bundestag würden der Desiderius-Erasmus-Stiftung perspektivisch ab 2022 Mittel in Form der Globalzuschüsse aus dem Haushalt Ihres Ministeriums gewährt.

Wir wehren uns entschieden dagegen, dass aus Steuergeldern eine Stiftung finanziert wird, die ein Geschichtsbild proklamiert, das NS-Verbrechen verharmlost.

Wir fordern daher die Desiderius-Erasmus-Stiftung auf, ihr Programm im Bereich historisch-politische Bildung, Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und Erinnerungspolitik offenzulegen und von unabhängigen Expert_innen prüfen zu lassen.

Wir möchten Sie in Ihrer Funktion als Bundesminister des Innern mit Nachdruck darum bitten, diese Forderung durchzusetzen und als Kriterium für mögliche Zuschüsse aus Ihrem Haushalt heranzuziehen. Wir erleben derzeit einen erstarkenden Rechtspopulismus, mit dem ein neues Selbstbewusstsein rechtspopulistischer Akteurinnen einhergeht sowie eine besorgniserregende Normalisierung geschichtsrevisionistischen Gedankenguts durch das Führungspersonal der AfD („Denkmal der Schande“, „Vogelschiss“).Vor diesem Hintergrund stehen Gedenkstätten und Einrichtungen der historisch-politischen Bildung zunehmend unter Druck. Holocaustrelativierung und die Verhöhnung der Opfer des NS finden inzwischen vermehrt auch an den Orten der Erinnerung und des Gedenkens statt – wie dies zuletzt der Besuch einer AfD-Gruppe aus dem Wahlkreis von Fraktionschefin Alice Weidel in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen auf erschütternde Weise illustriert: Im Rahmen des vom Bundespresseamt finanzierten Besuchs wurden von Teilnehmerinnen die Existenz von Gaskammern in Zweifel gezogen, die KZ-Verbrechen relativiert und verharmlost.

Begründung

Die politischen Stiftungen, die als Reaktion auf das Scheitern der Weimarer Republik im postnationalsozialistischen Deutschland etabliert wurden, leisten einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftspolitischen und demokratischen Bildung in Deutschland und sollen ein möglichst breites Publikum erreichen; dafür werden ihnen öffentliche Mittel in Form der Globalzuschüsse aus dem Haushalt des Bundesministeriums des Innern gewährt. Mit der staatlichen Förderung der Desiderius-Erasmus-Stiftung wird das zweifelhafte Geschichtsbild, welches von ihrem Führungspersonal vertreten wird, nicht nur eine offizielle Anerkennung finden, sondern perspektivisch weite Teile der Bevölkerung in einem gesellschaftspolitischen Klima erreichen, in dem es ohnehin bereits möglich ist, die Existenz der Shoa offen anzuzweifeln und zu „fake news“ zu erklären. Bleibt eine kritische Prüfung dieser Stiftung aus, setzt die Politik ein falsches Signal für die Entwicklung unserer Demokratie.

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Brief und Unterzeichnerinnen mit Unterschriftenliste siehe keine-steuergelder-fuer-geschichtsrevisionismus

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