Appell der Internationalen Komitees der Nazi-Konzentrationslager an die Regierungen und die Öffentlichkeit

16. September 2018

 

Die Präsidenten, Vizepräsidenten und Generalsekretäre der Internationalen Komitees der Nazi Konzentrationslager haben sich – auf Initiative der Associazione Nationale Ex Deportati Nei Campi nazisti (ANED) – am 1. Juli 2018 in der Casa della Memoria in Mailand getroffen.

Angesichts der aktuellen Bedrohungen gegen das Gedächtnis und gegen die Zukunft Europas und seiner Mitbürgerinnen erließen sie folgenden feierlichen Aufruf:

Wir sind die Träger des Gedächtnisses der Überlebenden der Naziverbrechen: dieses lebendige und schmerzvolles Gedenken macht aus uns die Sprecher für die abertausenden Männer und Frauen, die die Lager überlebt haben. Wir sind entweder Angehörige oder Nachkommen der Überlebenden bzw. normale BürgerInnen, die innerhalb ihrer verschiedenen Organisationen aktiv sind.

Es liegt uns am Herzen die früheren KZ-Lager, die heute Erinnerungsorte geworden sind, zu schützen und sie vor dem Vergessen, der Banalisierung sowie der Zerstörung zu bewahren. Wir beziehen uns unter anderem auf den Entschluss des Europaparlaments vom 11. Februar 1993 betreffend den europäischen und internationalen Schutz für historische Denkmäler der Orte der Nazi Konzentrationslager. Die jüngsten Angriffe auf die historische Substanz in Mauthausen und Flossenbürg empören uns zutiefst.

Wir sind empört dass eine von der UNO am 21. November 2014 präsentierte Resolution „für den Kampf gegen eine Verherrlichung des Nazismus, des Neo- Nazismus und anderer Praktiken die die zeitgenössischen Formen des Rassismus, der Rassendiskriminierung, des Fremdenhasses und der ihr zugehörigen Intoleranz befeuern“ nicht angekommen wurde, wegen 3 Nein-Stimmen und 55 Enthaltungen (unter ihnen die der europäischen Mitgliedsländern).

Gegenüber aller nationalistischen und populistischen Versuche diese Orte der Barbarei sowie die Kämpfe und die Solidarität aus dem europäischen Gedächtnis verschwinden zu lassen, bleiben wir überaus wachsam.
Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 erinnert daran daß: „(…) die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen (…).“
Hunderttausende von Deportierten in die Nazilager sind die Opfer dieser Barbarei geworden. Seit über siebzig Jahren sind die Überlebenden und ihre Nachkommen den Versprechen bei der Befreiung ihrer Lager treu geblieben. Unermüdlich haben sie sich für den Frieden und für die brüderliche Solidarität unter den Völkern eingesetzt.

Durch ihr Zeugnis haben sie gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass und die Thesen der Rechstextremisten in Europa gekämpft. Auf die Ankunft von Flüchtlingen, die von Krieg und Hunger getrieben sind, ist die Antwort von verschiedenen europäischen Staaten nicht eine humanitäre Aufnahme sondern die Schliessung ihrer Grenzen. Das Mittelmeer ist zu einem riesigen Friedhof geworden wo die Hoffnungen von Tausenden von Männern, Frauen und Kindern ein Ende finden. Europa scheint sein Gedächtnis verloren zu haben: viele Europäer waren, vor und nach dem Krieg, selber Flüchtlinge. Sie haben manchmal Solidarität erfahren aber auch Diskriminierung und Zurückweisung. Europa muß die schrecklichen Lektionen seiner jüngsten Geschichte lernen und nicht die Augen vor seiner Verantwortung schließen:

Welche Werte wollen wir den jungen Generationen vermitteln? Egoismus und die Angst vor dem Anderen dürfen die Werte des Humanismus, die im Herzen unserergemeinsamen Geschichte und unserer Verpflichtungen stehen, nicht ersetzen.

Wir appellieren deshalb an die vom Volk gewählten Vertreter in den verschiedenen nationalen und europäischen Institutionen und bitten sie, sich bei der Suche nach adäquaten Antworten in der Flüchtlingsfrage vor allem vom Respekt vor der Menschenwürde eines jeden leiten zu lassen.

Erste Unterschriften:

  • Associazione Nazionale Ex Deportati Nei Campi nazisti (ANED):
    Dario Venegoni, Präsident, Aldo Pavia: Vize-Präsident
    • Comité International de BUCHENWALD-DORA:
    Dominique Durand, Präsident
    • Comité International de DACHAU:
    Jean-Michel Thomas, Präsident
    Preben Dietrichson, Administrator
    • Association des déportés et familles des disparus du camp de concentration
    de FLOSSENBÜRG et Kommandos:
    Michel Clisson, Président
    • Comité International de MAUTHAUSEN;
    o Guy Dockendorf, Präsident
    o Floriana Maris, Vize-Präsidentin
    o Jean-Louis Roussel, Vize-Präsident
    • Comité International de NATZWEILER-STRUTHOF:
    Jean-Marie Muller, Präsident, Claes Reksten, Generalsekretär
    • Amicale Internationale de NEUENGAMME:
    Jean-Michel Gaussot, Président Christine Eckel, Secrétaire générale
    • Comité International de RAVENSBRÜCK:
    Ambra Laurenzi, Präsidentin, Jeanine Bochat, Vize-Präsidentin

Dokumentarfilm „Dui Rroma“ über Hugo Höllenreiner

Am 15. September wäre unser Mitglied Hugo Höllenreiner 85 Jahre alt geworden.

Zu seinem Geburtstag zeigen Iovanca Gaspar (Regisseurin) und Adrian Gaspar (Pianist und Komponist) den Dokumentarfilm „Dui Rroma“, in dem der Sinto Höllenreiner über die Deportation seiner Familie nach Auschwitz 1943 und darüber berichtet, was er dort erleben musste. Adrian Gaspar hat diesen Bericht zu einem eindrucksvollen musikalischen Werk vertont. Nach der Filmvorführung stehen Iovanca und Adrian Gaspar für Fragen zur Verfügung. Anschließend wird Adrian Gaspar auf dem Flügel spielen. 

ANTIKRIEGSTAG 1. September: Kriege beenden! Abrüsten statt aufrüsten!

Samstag, 1. September

14.00 – 17.00 Uhr
Richard Strauß Brunnen

Fußgängerzone, Neuhauser Str. 8

Aktionstag und Kundgebung 

mit Rede-, Kulturbeiträgen, Infoständen,
Unterschriftensammlung gegen Aufrüstung und die
Stationierung der US-Atomwaffen in Deutschland.

Am 1. September 1939 begann mit dem faschistischen Überfall auf Polen
der Eroberungs- und Vernichtungskrieg Hitlerdeutschlands, mit über 55 Millionen
Toten und dem Völkermord an Juden, Sinti und Roma. Die Lehre aus diesen
Verbrechen heißt: Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!

Heute erleben wir einen neuen dramatischen Rüstungswettlauf und Deutschland ist mit
dabei. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen die Militärausgaben in den kommenden
Jahren kontinuierlich steigen und sich bis 2024 auf rund 80 Milliarden Euro verdoppeln,
Milliarden die im sozialen Bereich fehlen, im Bildungssektor, dem sozialen Wohnungsbau,
Altenpflege und Schutz der Umwelt.

Dieser Wahnsinn muss beendet werden.
Wir treten ein für Abrüstung statt Aufrüstung und für den
Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland.
Für die Beendigung aller Auslandseinsätze der Bundeswehr
und den Stopp aller Waffenexporte.
Wir wenden uns gegen Rassismus und Nationalismus, die
der Vorbereitung weiterer Kriege dienen.
Veranstalter:
Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus
Münchner Friedensbündnis
Münchner Frauen-Aktionsbündnis 8.März
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Vorveranstaltungen:
Do. 30.August, 18:30, DGB-Haus – Return to Afghanistan
Dokumentarfilm über Geflüchtete, die zur Rückkehr gezwungen wurden
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Fr. 31.August, DGB-Haus – Frieden in Afghanistan?
mit Claudia Haydt (IMI) und Monika Steinhauser (Bellevue di Monaco)
Veranstalter: DGB -München, Mü. Friedensbündnis, Attac-München

Ludwig Holleis (1897-1944) – Opfer des NS-Regimes

15. August 2018

Im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen wurden in München ab Ende Juli 2018 erstmals offiziell Erinnerungszeichen für  Opfer des Nationalsozialismus in München gesetzt, nachdem sog. „Stolpersteine“ auf öffentlichem Grund nicht verlegt werden dürfen.

Das Stadtarchiv München hat das Projekt „Erinnerungszeichen“ und Kurzbiografien der ersten acht Geehrten in einem Faltblatt vorgestellt. Siehe dazu den Flyer Erinnerungszeichen_Einladung_online

Einer der Geehrten ist Ludwig Holleis, über den es im o.g. Faltblatt heißt:

Im Zusammenhang mit den Verhaftungen der Mitglieder der Widerstandsgruppe „Antinazistische Deutsche Volksfront“, der seine Schwester Emma angehörte, wurde der daran unbeteiligte Elektromaschinenbauer Ludwig Holleis (geb. 30.9.1897) am 7.1.1944festgenommen. Die Beamten der Gestapozentrale in der Brienner Straße misshandelten ihn derart, dass er an den erlittenen Verletzungen am 29.3.1944 starb.

Bei der Enthüllung der Stele für Ludwig Holleis hielt ein Vertreter der Münchner VVN-BdA eine Rede auch im Namen von Angehörigen: siehe dazu Ansprache F. Mühldorfer – Stele L. Holleis, 27.7.18

Weitere Informationen zum Projekt finden sich auf der Homepage des Stadtarchivs München (https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Stadtarchiv/Erinnerungszeichen.html).

Neue Erinnerungszeichen für Opfer des Nationalsozialismus in München

Öffentliche Veranstaltungen am 26. und 27. Juli sowie am 5. August 2018

Zwischen 1933 und 1945 wurden in München etwa 10.000 Frauen, Kinder und Männer aus politischen und rassistischen Motiven, wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihres Glaubens, ihrer unangepassten Lebensweise und aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen oder Behinderungen verfolgt und ermordet. Viele dieser Menschen gerieten in den Jahrzehnten nach Kriegsende in Vergessenheit, ihr Schicksal hatte keinen Platz im kollektiven Gedächtnis.

An den einstigen Wohnorten dieser Menschen werden künftig Erinnerungstafeln und -stelen errichtet. Diese Erinnerungszeichen können auf Wunsch von Angehörigen oder auf Anregung aus der Stadtgesellschaft entstehen.

Am 26. und 27. Juli sowie am 5. August 2018 werden erstmals Erinnerungszeichen an sechs Standorten von Vertreterinnen und Vertretern der Landeshauptstadt München, Angehörigen sowie Initiatorinnen und Initiatoren an die Öffentlichkeit übergeben.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an den Veranstaltungen in der Maxvorstadt, in Schwabing- Freimann, in Bogenhausen, in der Ludwigsvorstadt- Isarvorstadt und in Sendling teilzunehmen.

Weitere Einzelheiten siehe Erinnerungszeichen_Einladung_online

#ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst! — Bayernweite Demo am 22.7.2018 in München

Über 100 Organisationen haben sich mittlerweile zusammengefunden, um ein Zeichen für Toleranz und Menschenrechte zu setzen. Die VVN-BdA  München unterstützt die Aktion natürlich ebenfalls.

Aus dem Ankündigungstext:

Wir wehren uns gegen die verantwortungslose Politik der Spaltung von Seehofer, Söder, Dobrindt und Co. Wir setzen ein Zeichen gegen den massiven Rechtsruck in der Gesellschaft, den Überwachungsstaat, die Einschränkung unserer Freiheit und Angriffe auf die Menschenrechte.

Jetzt kommen wir! Unsere Vielfalt verbindet und macht uns stark! #bayernbleibtbunt

Nicht erst durch die AfD eskalieren Hass und Ausgrenzung in der Politik. Parteien und insbesondere die in Bayern und Berlin wahlkämpfende bayerische Regierung lassen sich ihre Agenda von undemokratischen, menschenrechts-feindlichen und rechten Populisten vorgeben:

Statt die Werte unserer demokratischen Grundordnung zu vertreten, werden sie demontiert, Geflüchtete kriminalisiert, in Abschiebelagern interniert, in Kriegsgebiete abgeschoben und ihre Unterstützer*innen diffamiert („AntiAbschiebe-Industrie„/Dobrindt).

Statt Bildung und Aufklärung zu fördern und Kriminalstatistiken ehrlich zu kommunizieren, werden massiv Ängste geschürt. Und in Bayern das schärfste Polizeiaufgabengesetz (PAG) in Kraft gesetzt, das die Bundesre-publik je gesehen hat.

Statt gerechten Welthandel zu fördern und Fluchtursachen zu beseitigen, werden menschenfeindliche Regime mit Geld und Waffen unterstützt und Kriege geführt.

Statt soziale Probleme wie Pflegenotstand, Altersarmut und prekäre Arbeitsverhältnisse zu lösen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und einen gerechten Mindestlohn durchzusetzen, werden kulturelle Scheindebatten geführt wie Söders Kreuz-Erlass oder Islam-/Leitkultur-Debatten.

Statt volle Gleichberechtigung unabhängig von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität zu fördern, wird ein rückwärtsgewandtes Weltbild gestützt.

Wir rufen zu einer bayernweiten Demo gegen diese Politik der Angst am 22.7.18 in München auf.

Das Flugblatt siehe unter AusgehetztA4-1

Kein Schlussstrich! Kundgebung am 11. Juli anlässlich des Urteils im NSU-Prozess

Am Mittwoch, 11. Juli, soll in München das Urteil im Prozess gegen die Angeklagten um sog. „NSU-Prozess“ gesprochen werden. Aus diesem Anlass veranstalten verschiedene Organisationen eine Dauerkundgebung vor dem Gerichtsgebäude und um 18 Uhr eine abschließende Demonstration zum Innenministerium am Odeonsplatz. Die Kundgebung beginnt morgens um 8 Uhr mit einem Gedenken an die – oft vergessenen – Opfer der Nazimorde; Kultur- und Redebeiträge begleiten anschließend die Dauerkundgebung bis zur Demonstration. Neben dem Gedenken an die Opfer geht es vor allem auch darum, die vielen im Prozess nicht beantworteten Fragen nach dem terroristischen Umfeld des „NSU“ und nach der Rolle des „Verfassungsschutzes“ dabei nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Weitere Infos und Hintergrundberichte zum Prozess siehe https://nsuprozess.net/blog/

 

Präsentation des Gedenkbuchs für die Münchner Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde

Zwischen 1939 und 1945 wurden im Rahmen der nationalsozialistischen

Euthanasie-Aktionen etwa 300 000 Menschen mit

psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet, darunter

über 2000 Münchner Bürgerinnen und Bürger. Die Arbeitsgruppe

Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus in München präsentiert das Ergebnis ihrer Nachforschungen.

Weitere Hinweise siehe nsdoku_einladung_gedenkbuchpraesentation

 

 

Kundgebung „Zusammenstehen gegen Antisemitismus“ am 8. Juni in München

Zur Erinnerung an den Abriss der Münchner Hauptsynagoge durch die Nazis vor 80 Jahren und als Zeichen gegen den nach wie vor bedrohlichen Antisemitismus ruft der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter zur Kundgebung auf.

Nähere Informationen siehe Flugblatt Zusammenstehen1 gegen Antisemitismus_final_web

Demonstration gegen den Entwurf eines neuen Polizeiaufgabengesetzes am 10. Mai in München

Der Entwurf eines neuen Polizeiaufgabengesetzes für Bayern ruft breiten Protest hervor. Die vorgesehenen Bestimmungen dieses Entwurfs rufen bei der VVN-BdA als Organisation ehemaliger Naziverfolgter große Besorgnis hervor. Die Verankerung der Grundrechte in der Bayerischen Verfassung und im Grundgesetz waren die entschiedene Konsequenz aus der Nazidiktatur. Die nahezu unbeschränkte Machtfülle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) hatte auch zur Folge, dass künftig Polizei und Geheimdienste strikt getrennt sein sollten.

Mit dem neuen Polizeiaufgabengesetz soll die Polizei Kompetenzen erhalten, welche den bitteren Erfahrungen aus der NS-Zeit widersprechen.  Aus diesem Grund unterstützt die VVN-BdA München die vielfältigen und breiten Proteste und ruft zur Teilnahme an der Demonstration in München auf.

Aufruf zur Demonstration siehe NoPAG_Flyer

Weitere Informationen unter no-pag.de

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