Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten"Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt!" (5. Flugblatt der "Weißen Rose" vom Januar 1943)
Aktion der VVN-BdA vor dem Bayerischen Innenministerium am 1. Dezember 2021
Mit Transparent und Schildern protestierte die Münchner VVN-BdA mit einer kleinen Kundgebung gegen die harte bayerische Flüchtlingspolitik. Sie steht im Widerspruch zum großzügigen Asylrecht, welches vor 75 Jahren in der Bayerischen Verfassung formuliert wurde.
Statt allgemeiner Lobreden auf die Bayerische Verfassung fordert die VVN-BdA, dass Bestimmungen der Verfassung endlich ernst genommen werden in unserem Alltag.
Auch der Freistaat Bayern hat viele Möglichkeiten, die Not der Geflüchteten an Europas Grenzen zu verringern und gleichzeitig den hier lebenden geflüchteten Menschen Schutz und Hilfe zukommen zu lassen.
In den frühen Morgenstunden des 20. November 1941 verschleppte die Gestapo knapp 1.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer vom Güterbahnhof Milbertshofen nach Kaunas in Litauen. Nur wenige Tage nach ihrer Ankunft wurden sie dort am 25. November von der SS und ihren Helfershelfern ermordet. Mit verschiedenen Veranstaltungen erinnern das Kulturreferat und das Stadtarchiv der Stadt München zusammen mit PartnerInnen an das damalige Geschehen.
Verleihung in einem Festakt im NS-Dokumentationszentrum Münchenam 25. Oktober 2021
Die von der Münchner Ehrenbürgerin und Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ins Leben gerufene Stiftung „Münchner Bürgerpreis für Demokratie – gegen Vergessen“ verlieh dieses Jahr dem Kunstfestival „Ausarten – Perspektivwechsel durch Kunst: Jüdisch-Muslimischer Dialog“ den Preis für sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement. Den Ehrenpreis erhielt Ernst Grube für sein jahrzehntelanges Wirken um die Erinnerung an die Nazizeit und für seine heutige Aktivität zugunsten der Verwirklichung der Menschenrechte.
Foto: F.M.
In der Laudatio auf Ernst Grube skizzierte die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums Mirjam Zadoff den Lebensweg des 1932 geborenen Münchners, der als jüdisches Kind Ausgrenzung und schließlich Deportation in das KZ Theresienstadt erleben musste. Dabei ging sie auch auf die spätere Ausgrenzung Grubes als Kommunist in den Zeiten des Kalten Krieges ein sowie auf die Diffamierung, die Ernst Grube bis in die jüngste Zeit als Mitglied der VVN-BdA durch den Bayerischen Verfassungsschutz erdulden musste. Im zweiten Teil der Laudation berichtete der wissenschaftliche Mitarbeiter des Dokuzentrums, Thomas Rink, von der unermüdlichen Tätigkeit Grubes als vielgefragter Gesprächspartner von Schulklassen. Grubes Erzählen von seiner Kindheit in München und vom heutigen Engagement beispielsweise für Geflüchtete sei nie belehrend, weshalb die Resonanz bei den Jugendlichen auch besonders groß ist.
In seiner Dankesrede verwies Ernst Grube auf das jahrzehntelange Bemühen der Überlebenden der NS-Verfolgung für eine Welt ohne Krieg, Rassismus und Ausgrenzung. Großes Anliegen war beispielsweise die Sicherung der Internationalen Jugendbegegnung in Dachau, das den Austausch mit Jugendlichen verschiedener Länder ermöglichte.
Kulturzentrum Trafo Neuhausen, Nymphenburgerstr. 171a, Veranstaltung zur Umbenennung der Hilblestraße in Maria-Luiko-Straße. (Maria Luiko war eine Münchner Künstlerin, in Kaunas ermordet wurde. Friedrich Hilble war in der NS-Zeit Münchner Stadtrat und Leiter des Wohlfahrtsamtes. Er wirkte mit bei der Vernichtung der ihm anvertrauten Menschen.)
Aus dem Aufruf von DIDF und DIDF-Jugend, den Veranstaltern der Kundgebung:
„Am 04.November jährt sich die Enttarnung des NSU zum 10.Mal. Die schrecklichen Morde des NSU-Komplexes, das sich über Jahrzehnte hinweg im Untergrund aufbauen und Mittel besorgen konnte, um Bombenanschläge auszuführen, Banken zu überfallen und gezielt Migrant*innen zu ermorden, wurden zwar bekannt – doch von einer lückenlosen Aufklärung fehlt auch nach zehn Jahren jede Spur.“
Mit einer Kundgebung und anschließender Demonstration bekräftigen die VeranstalterInnen ihre Forderung nach lückenloser Aufklärung des rechtsextremistischen Netzwerks. Flugblatt siehe
Auch in diesem Jahr wollen wird wieder am 1. November der im Münchner Friedhof am Perlacher Forst in einem „Ehrenhain“ beigesetzten über 4000 Opfer des Naziregimes gedenken, die im KZ Dachau und anderen Lagern ihr Leben lassen mussten.
Wir gedenken im Rahmen dieser Feier auch des Widerstands der „Weißen Rose“ (die Geschwister Scholl und einige ihrer Mitstreiter/innen sind auf diesem Friedhof beigesetzt) und weiterer wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, aus rassistischen Gründen oder ihres antifaschistischen Widerstandes wegen verfolgter Gruppen und Personen. Dazu gehören auch die in der benachbarten Justizvollzugsanstalt Stadelheim während der NS-Zeit inhaftierten Menschen, die dort zu Tode kamen oder hingerichtet wurden.
In das Gedenken eingeschlossen sind außerdem die Opfer unter den Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern, die in Lagern der Umgebung dem Terror der Nazis ausgesetzt waren.
Ernst Antoni hält eine kurze Ansprache
Treffpunkt: 11.00 Uhr am Friedhofseingang – schräg gegenüber der Straßenbahn-Endhaltestelle Schwanseestraße (Tramlinie 28).
Wir bitten während unserer Gedenkstunde den Mindestabstand von 1,5m einzuhalten.
Bitte den Mundschutz mitbringen. Je nach aktueller Situation kann dieser notwendig sein.
Sonderausstellung im NS-DokumentationszentrumMünchen
Noch bis Ende November 2021 ist im NS-Dokumentationszentrum die Sonderausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft“ zu sehen, die in Kooperation mit dem jüdischen Museum Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entstand.
Die Ausstellung beginnt mit exemplarischen Berichten einzelner Zeitzeug*innen. Hierbei berichtet u.a. unser VVN-BdA-Mitglied Ernst Grube über seine Zeit im sog. „Judenlager“ Milbertshofen und seine Deportation nach Theresienstadt; auch die verstorbenen VVN’ler Martin Löwenberg oder der Sinto Hugo Höllenreiner kommen neben Gerty Spies, Max Mannheimer, Charlotte Knobloch u.a. zu Wort. Danach wird jedem Jahrzehnt nach 1945 ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet, um den unterschiedlichen Umgang mit der Zeitzeugenschaft zu erläutern. Zu Beginn waren es vor allem Medienberichte aus den USA, die Zeitzeug*innenberichte an die Öffentlichkeit brachten. Während in der DDR bereits früh Erinnerungsarbeit geleistet wurde, ließ dies in der BRD noch auf sich warten. Erst ab den 1970er Jahren begannen dann auch verstärkt Zeitzeug*innenerzählungen aus der BRD. Beeindruckende Zeitzeug*innenberichte bleiben weiterhin schriftlich festgehaltene Manifeste wie das Tagebuch der Anne Frank. Auch neben dem wichtiger werdenden Medium Film bleiben Druckerzeugnisse wie dieses Tagebuch ein eindrucksvolles Werk, das zeitlebens den Terror der Nazi-Diktatur widerspiegelt.
Durch Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ aus dem Jahr 1993 gewann die Aufarbeitung des Holocausts eine neue mediale Dimension. Im Gefolge dieses Films wurden viele Interviews mit Zeitzeug*innen organisiert und ihre Geschichte medial festgehalten. Auch Zeitzeug*innenberichte von NS-Tätern werden in der Ausstellung aufgenommen. Exemplarisch ist hier das Buch „Ich glaubte an Hitler“ von Baldur von Schirach zu nennen. Er beschreibt sich darin als einen Idealisten, der systematisch einer Irrlehre verfallen ist. Am Ende der Ausstellung gibt es noch eine besondere Aufbereitung. Mit einer Virtual-Reality-Brille erhalten die Besucher*innen einen „realen Einblick“ in die Erinnerungswelt von Zeitzeug*innen. So kann ein Zeitzeugengespräch eines Jugendlichen mit Ernst Grube ‚live‘ verfolgt werden.
Es bleibt festzuhalten, dass es die Aufgabe der kommenden Generationen ist, das Anliegen der Zeitzeug*innen zu bewahren. Die Ausstellung mahnt die Menschen dazu, weiterhin gegen das Vergessen zu kämpfen und die Botschaft der Zeitzeug*innen, die bald nicht mehr live berichten können, weiterzutragen.
Forderungen einer Kundgebung in München am 16. August
Nach einem Demonstrationszug und einer Abschlusskundgebung vor der Bayerischen Staatskanzlei forderten Hunderte TeilnehmerInnen am Montag, 16. August, darunter viele Menschen, die aus Afghanistan geflohen sind, sofortiges Handeln. Nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban sind Ortskräfte, welche die Bundeswehr und die zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen unterstützt haben, besonders gefährdet; aber auch Frauenrechtlerinnen, MenschenrechtsaktivistInnen und JournalistInnen sowie deren Familien sind größter Gefahr ausgesetzt. Für sie müsse sofort ein gesicherter Lufttransport nach Deutschland gewährleistet werden.
Von der Bayerischen Regierung wurde ein sofortiges Aufnahmeprogramm für afghanische Schutzsuchende gefordert. Außerdem müssen für die bereits in Deutschland lebenden Geflüchteten ein sicheres Bleiberecht geschaffen und Arbeitsverbote aufgehoben werden.
Überall in Deutschland haben judenfeindliche Aggressionen zugenommen. Beleidigungen, Bedrohungen und ja sogar Gewalt gegen jüdische Menschen und Einrichtungen sind fast schon alltäglich. Rechtsextremisten verüben Anschläge wie in Halle, und „Corona-Leugner“ spielen sich einander alte antisemitische Stereotype zu und verharmlosen den Holocaust.
Zuletzt haben die Demonstrationen im Zuge der Auseinandersetzungen im Nahen Osten eine weitere Welle des Judenhasses losgetreten. Sprechchöre wie „Scheiß Juden“ erschallten auf deutschen Straßen, Steine flogen auf jüdische Orte des Gebets. An der Synagoge in Ulm zeugen noch frische Brandspuren von einem Hass, der wieder und wieder hervorbricht.
Angst und Unsicherheit bestimmen längst das jüdische Leben heute in vielen Städten in Deutschland. Der kleinste politische Anlass kann genügen und jüdische Menschen müssen sich wieder fragen: Sind wir die Nächsten?
Diesen Zustand können und wollen wir in München nicht dulden. Wir, die Münchner Zivilgesellschaft, senden ein klares Zeichen, dass Jüd*innen in dieser schweren Zeit nicht allein steht. Wir rufen alle Münchnerinnen und Münchner auf, mit einer starken Stimme Nein zum Judenhass zu sagen!
Es sprechen Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Oberbürgermeister Dieter Reiter, Ben Salomo, Rapper und Aktivist gegen Judenhass, Christian Springer, Münchner Künstler
Ungeachtet der verheerenden Sicherheitslage und der massiven Ausbreitung des Covid19 Virus schiebt Deutschland weiter monatlich nach Afghanistan ab. In das unsicherste Land der Welt. Immer und immer wieder. Menschen werden fremdbestimmt außer Landes geschafft, in ein Land, das viele nur aus ihrer Kindheit kennen oder noch nie gesehen haben. Ein Land, in dem viele der Abgeschobenen keine Netzwerke oder Strukturen haben, die sie vor Obdach- und kompletter Mittellosigkeit bewahren. Die Situation in Afghanistan ist durch die Pandemie, wie auch den Krieg für jeden Menschen akut lebensbedrohlich! Deutschland hat nicht erst durch die seit 2001 stattfindende militärische Beteiligung der Bundeswehr am Krieg in Afghanistan eine besondere Verantwortung für die vor diesem Krieg flüchtenden Menschen.
Wir lassen nicht zu, dass sich die Öffentlichkeit an Abschiebungen nach Afghanistan gewöhnt. Unsere Forderung bleibt bestehen: Keine Abschiebungen nach Afghanistan!